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Blattjagd der angehenden Jungjäger


"Das erste Mal"


Für Ute und mich, beide Jungjäger, war der Begriff Blattjagd bis jetzt ein Fremdwort. Lediglich vom Hörensagen kannten wir diesen Begriff, wussten jedoch nichts damit anzufangen. Unser Jagdprinz Daniel schwärmte schon des Öfteren davon. Im Jagdkurs erfuhren wir dann, was es mit dieser ominösen Blattjagd auf sich hat und waren schon sehr gespannt.

Dann war es endlich soweit, die Blattjagd hatte begonnen und wir waren mit Daniel früh morgens verabredet. Bereits um fünf Uhr waren wir voller Aufregung bei ihm vor der Haustür. Als er aus dem Haus kam, konnten wir keine nennenswerten Veränderungen zur normalen Jagd erkennen. Beim Näherkommen erspähte ich um Daniels Hals eine Art kleine Pfeife, die aus dem Geweih eines Rehbocks gefertigt war. Dies musste also der Blatter sein. Wir fuhren los zum ersten Blattstand mitten im Wald. Unser „Lehrer“ platzierte sich auf dem Stand, wir versteckten uns hinter einem Baum in unmittelbarer Nähe. Daniel begann, mit dem Blatter den Rehfiep nachzuahmen, zuerst sehr zurückhaltend, dann wurde das Gefiepe etwas energischer. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Rehbock nur wegen diesem „Lärm“ zu uns kommen sollte, ich hatte diese Töne ja schließlich auch noch nie in freier Wildbahn gehört. Das musste die Tiere doch eher abschrecken.

Nun war Ruhe auf dem Stand, Ute und ich schauten uns um und konnten weit und breit kein einziges Tier entdecken. Nach kurzer Pause fiepte es schon wieder aus dem Blatter. Fünf, sechs, sieben mal, wieder Ruhe, kein Bock. „Ha“, dachte ich mir, „hab ich`s doch gewusst! Da kann ja nix gehen!“ Erneutes, sogenanntes Lockgeräusch, wieder Ruhe, nichts! HALT! DOCH! Da kommt doch glatt ein Rehbock direkt auf uns zugesprungen. Wir konnten unseren Augen kaum glauben. „Mist“, er hatte uns entdeckt und machte sofort kehrt. Daniel war bereits im Anschlag, der Blatter hing um seinen Hals, sodass er nur mit dem Mund versuchen konnte, den Rehfiep nachzumachen.

Es half, der Bock verharrte kurz und der Schuss fiel. Ute und ich waren sprachlos. Da kam doch glatt ein Rehbock auf den Lockruf hin zu uns. Oder war alles nur Zufall?
Nach ungefähr fünf Minuten liefen wir zum Anschuss. Ein perfekter Blattschuss. Respekt! Da lag ein braver Bock vor uns. Ich dachte schon, dass dies ein einmaliges Erlebnis war.

Doch weit gefehlt, bereits wenige Tage später konnten wir erneut mit Daniel zur Jagd. Auch diesmal war es ein ähnliches Szenario, Daniel auf dem Stand, wir direkt darunter.


Fiep, Fiep, Fiep, Pause, Fiep… Bock! In etwa sechzig Metern Entfernung schlich ein junges Böckchen ganz aufmerksam herum. Wir mussten nicht lange warten, bis der Schuss fiel.

In gewohnter Manier wieder ein perfekter Blattschuss.

Nun hatte sich die Begeisterung für die Blattjagd in Ute und mir komplett entfacht und wir konnten es kaum erwarten, wieder mit Daniel raus zu gehen.

Es dauerte zum Glück auch nicht lange und wir konnten wieder mit. Diesmal jedoch standen wir zu dritt mitten im Wald, kein Blattstand, keine Leiter, keine Kanzel weit und breit. Wir positionierten uns alle hinter einem dicken Baum mit Blickrichtung auf ein Dickicht. Daniel begann zu blatten, wir starrten gespannt in Richtung Dickung, nichts bewegte sich.

  ASollte unsere Glückssträhne schon ein Ende haben? Ich erschrak nicht schlecht, als von links ein Bock auf uns zustaubte. Ich dachte schon, dass er uns überrennt, so nahe war er bereits da. Daniel ging in Anschlag, da bemerkte der Bock uns, drehte und rannte von uns weg. Fiep, Schuss, Treffer. Dass es ein Blattschuss war, muss ich wohl kaum noch erwähnen. Ein toller Sechser. Wahnsinn. Drei mal Blattjagd, drei Böcke.

Gleich am nächsten Tag nötigten wir Daniel, wieder mit uns zur Jagd zu gehen. Ich hatte jedoch an diesem morgen ein flaues, schlechtes Gefühl in der Magengegend. Konnte es sein, dass man so viel Glück hat?

Wir bezogen einen Stand im Wald, diesmal hatten wir zu dritt Platz, Ute auf meinem Schoß, unser Ausbilder neben uns. Das Locken begann, Fiep, Fiep, Fiep… Pause. Auch nach mehrmaligem Lockruf hatten wir keinen Anblick. Mein Gefühl schien sich zu bestätigen, wir baumten ab und bezogen den nächsten Stand. Auch hier stießen Daniels Bemühungen auf wenig Zuspruch der Rehböcke. Zwei weitere Stände, nichts… Mit etwas gedämpfter Stimmung fuhren wir zurück. „Das ist Jagd!“ hörte ich Daniel leise zu uns sagen. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass wir auf diesem Wege erfuhren, dass die Jagd nicht immer, eher sogar selten – wie ich mittlerweile mitbekommen habe – von Erfolg gekrönt wird.


Nichts desto Trotz freuten Ute und ich uns über einen Anruf von Daniel in aller Herrgottsfrühe, dass wir doch mit zur Blattjagd kommen sollen. Anziehen, ab ins Auto und los in Richtung Bebenhausen. Er wartete schon in seinem Auto auf uns. Bekanntes Procedere, Fahrt in den Wald, Stand beziehen, Blatten, Pause, Blatten, wieder nichts. „Das kann doch nicht sein!“, murrte ich vor mich hin. Fiep, Fiep, BOCK! Da ich meinen Gehörschutz vergessen hatte, hielt ich mir schon die Ohren zu und beobachtete, auf den Schuss gespannt, den wunderschönen Sechser Bock. Ja, ich konnte mittlerweile schon erkennen, um was für einen Bock es sich handelt. Es fiel kein Schuss, ich traute mich jedoch trotzdem nicht, zu Daniel rüber zu schauen, um auf keinen Fall den Schuss zu verpassen. Nun hatte der Bock Wind von uns bekommen und sprang ab. Auch das „Nachfiepen“ blieb diesmal aus. Was war denn da los? Ich verstand die Welt nicht mehr. Fragend blickten Ute, die genauso erstaunt war, und ich zu Daniel. Der nächste Dämpfer für mich: Ich konnte doch nicht so gut ansprechen, wie ich dachte. Unser Jagdlehrer erklärte uns, dass dies ein sogenannter „Zukunftsbock“, also ein zweijähriger Sechser-Bock war, den man in diesm Alter noch nicht schießt.

Eins ist auf jeden Fall sicher, wir freuen uns schon riesig auf die nächste Blattzeit und hoffen, dass wir zu dieser Zeit dann schon selbst aktiv an der Blattjagd teilnehmen können.

Waidmannsheil
Peter D.


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